So hast Du Deine Finanzen fest im Griff

Lena habe ich zum ersten Mal bei einem Madame Moneypenny Meetup in München kennengelernt. Damals hat sie für die Münchener Kommunalverwaltung gearbeitet. Inzwischen ist sie auf dem Weg in die Selbständigkeit mit dem Thema, finanzielle Bildung, das für uns alle sehr wichtig ist.

Im Interview bekommt ihr einen Einblick in Lena's Welt der Finanzen und ihr erfahrt wie ihr Euch einen Überblick darüber verschaffen könnt.

Wo stehst Du gerade?
Gerade sitze ich an einem ganz wundervollen Ort – zwei junge Frauen haben es sich zum Ziel gemacht, verfügbare Flächen in München effizienter zu nutzen und haben ein Unternehmen gegründet, das Bars und Restaurants, die nur abends geöffnet sind, tagsüber als Coworking-Räume anbietet. Dieses Angebot nehme ich gerade sehr gerne wahr. Hier treffe ich viele interessante Menschen.
Ich persönlich habe vor ein paar Monaten meinen sicheren Job in der Münchner Kommunalverwaltung hinter mir gelassen und mich auf den Weg zu neuen Abenteuern gemacht.

Seit wann interessierst Du Dich für das Thema Finanzen?
Das Thema Finanzen war mir schon immer wichtig. Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter war mir bereits sehr früh bewusst, dass die Beschäftigung mit den eigenen Finanzen zentral ist. Später habe ich dann hier in München Volkswirtschaftslehre im Nebenfach studiert. Richtig tief eingegraben in die Welt der Geldströme, Wertpapiere und Finanzplanung habe ich mich dann vor ungefähr zwei Jahren. Ich habe mich bei Bank, Finanzberatung und Versicherung sehr schlecht aufgehoben gefühlt und hatte das Bedürfnis, mich meiner Altersvorsorge selbst anzunehmen. Insbesondere auch deshalb, weil mir die bei Bank und Co. als nachhaltig und ethisch wertvollen Anlagemöglichkeiten nicht gerade als solche erschienen.

Woran arbeitest Du gerade?
Ich arbeite gerade am Aufbau meiner Selbstständigkeit. Gerne möchte ich größer und mit viel mehr Power machen, was bis jetzt immer nur ehrenamtlich und damit eingeschränkt möglich war: Frauen bestärken, Kooperation unter ihnen fördern und Unternehmen und Organisationen dabei unterstützen, Strukturen zu schaffen, in denen Frauen wirken können. Darin liegt eine riesige Kraft, die die ganze Gesellschaft verändern und uns in eine bessere und gerechtere Zukunft führen kann.

Welche ersten Schritte können Frauen gehen, um sich mit ihren Finanzen auseinanderzusetzen?
Der allerwichtigste und grundsätzlichste Schritt ist es meines Erachtens, dass Frauen sich eine genaue Übersicht über ihre Einnahmen und Ausgaben verschaffen und sich bewusst dafür entscheiden, für was sie in Zukunft wie viel Geld ausgeben wollen. Das ist unwahrscheinlich selbstermächtigend, denn in Zukunft lässt du dich nicht mehr von irgendwelchen in rot leuchtenden SALE-Schildern oder dich aus Radio, Fernsehen oder Social Media förmlich anschreiender Werbung dazu verleiten, etwas zu kaufen, das du gar nicht brauchst. Du bist es dann, die die Finanzen fest im Griff hat. Das bedeutet in keiner Weise, dass frau dadurch geizig wird, sondern es bedeutet, dass frau bewusst entscheidet, wofür sie ihr Geld ausgibt. Ich habe z.B. bei dieser Aufstellung festgestellt, dass ein großer Teil meines monatlichen Budgets für Kosmetik draufging und das für mich nicht im Verhältnis dazu stand, wie unwichtig mir diese Dinge eigentlich sind. Diesen Posten habe ich fortan also drastisch zurückgefahren. Ich habe bei der Aufstellung aber auch gesehen, dass viel Geld monatlich in Einladungen oder Geschenke fließt. Das war und ist mir wichtig, und hier möchte ich weiterhin das Geld dafür aufwenden. Im zweiten Schritt ist es dann wichtig, Finanzwissen nach und nach aufzubauen und am Thema dranzubleiben.

Welchen Ratschlag kannst Du Frauen mit auf den Weg geben, die sich mit dem Thema Finanzen überfordert fühlen?
Einfach anfangen und langsam reinwachsen. Wissen und Expertise in diesem Bereich lässt sich schneller aufbauen, als frau im ersten Moment denkt. Das ist keine Raketenwissenschaft.

Was waren Deine größten Learnings beim Thema Finanzen?
Dass ich dafür keine_n Berater_in brauche, ich dafür aber umso mehr den Austausch mit anderen zu diesem Thema schätze. Ich habe verstanden, dass fehlendes Finanzwissen viel Angst produziert und der Aufbau von Finanzkompetenz und -wissen ein Schlüssel für Freiheit und Unabhängigkeit darstellt.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit siaf e.V.?
2015 habe ich mit Freundinnen das Frauennetzwerk XX-Change gegründet. Ein Netzwerk, in dem der offene und ehrliche Austausch der Teilnehmerinnen im Vordergrund steht. Unser Anliegen ist es eine nachhaltige Kooperationskultur zu entwickeln. Mit XX-Change haben wir kurz nach der Gründung einen Platz bei siaf e.V. gefunden. Ein Ort, an dem wir und die Teilnehmerinnen uns sehr wohlfühlen. Siaf steht für „sozial, integrativ, aktiv, für Frauen“ und bietet einen Platz für die verschiedensten Frauen(selbst-)projekte. Immer wieder entstehen bei siaf neue Ideen und Initiativen zu Themen, die Frauen bewegen. Aktuell z. B. „gemeinschaftlich Wohnen“, „Finanzen“ und vieles mehr. Hier finden Künstlerinnen einen Ort, um ihre Werke auszustellen, Frauen, die seit vielen Jahren arbeitslos sind, schaffen im Beschäftigungsprojekt von siaf den ersten (Wieder-)Einstieg in den Beruf, andere Frauen kommen einfach nur mit ihren Kindern zum Mittagessen ins Café Glanz, Hilfesuchende finden vielfältige Beratungsangebote und und und. Anfang 2018 wurde ich von siaf angesprochen, ob ich mir die Übernahme eines Vorstandsamtes vorstellen kann. Ich habe gleich Ja gesagt.

freundliches Porträt junge Frau

"Ich bin ich eine Expertin darin, den Status quo zu hinterfragen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, Neues zu denken, und dank meiner Motivation und meinem Durchhaltevermögen, das dann auch auf den Weg zu bringen."

Was sind Deine Stärken?
Meine größte Stärke ist sicherlich meine Neugier, gepaart mit einer großen Offenheit gegenüber und Liebe für Menschen. Schon als 4-Jährige kannte ich am Tag nach unserem Einzug in die neue Straße alle Nachbar_innen und wusste, wer wie zusammengehört und was jede_r so machte. Als meine Mama ihr Fahrrad durch die Straße schob, kamen die Nachbar_innen auf sie zu und lachten: „Sie sind dann wohl Nicole, die Mama von Lena und Lukas und verheiratet mit Matthias. Ihre kleine Lena hat uns schon über alles informiert.“ Meine Mama grinst noch heute, wenn sie diese Geschichte erzählt. Eine der besten Freundinnen meiner Mama nannte mich als Kind immer Karla Kolumna. Auf alles, was neu war und ist, bin ich immer offen, freudig und voller Entdeckungswillen zugelaufen.
Außerdem bin ich eine Expertin darin, den Status quo zu hinterfragen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, Neues zu denken, und dank meiner Motivation und meinem Durchhaltevermögen, das dann auch auf den Weg zu bringen.

Wer inspiriert Dich?
Die tollen Frauen, die mich umgeben, angefangen bei meiner Mama und meiner Schwiegermama. Gerade in den letzten Jahren sind mir aber auch immer mehr wundervolle Frauen begegnet, mit denen mich viel verbindet und mit denen ich gemeinsam viel bewege und bewegen will. Auch mein Mann, mein Bruder und ein sehr guter Freund, den ich im Studium kennengelernt habe, inspirieren mich. Alle drei sind sehr moderne Männer, die es nicht als Bedrohung empfinden, wenn sie sich mit dem vorherrschenden Männlichkeitsbild kritisch auseinandersetzen.

Wo möchtest Du hin? Was sind Deine Ziele privat sowie beruflich? Politisch aktiv bin ich schon seit Schulzeiten – in Initiativen und Vereinen. Ich bin dieses Jahr aber nun endlich in eine Partei eingetreten und werde im November in meinem Ortsverband kandidieren, um auf die Wahlliste für den Bezirksausschuss gesetzt zu werden. Es wäre für mich eine große Freude und Ehre, wenn ich zukünftig vor Ort in meinem Heimatbezirk das Leben im Viertel mitgestalten könnte. Beruflich hoffe ich darauf, dass ich es schaffen werde, mein Angebot – Female-Empowerment-Seminare und Beratung für Unternehmen, die bereit sind, neue Strukturen zu implementieren – erfolgreich an die Frau und die Unternehmen zu bringen. Privat habe ich meinen Herzensmenschen schon vor vielen Jahren gefunden. Alex und ich hatten im Sommer bereits unseren 15. Jahrestag. Mein Ziel ist es, dass wir weiterhin unseren Weg gemeinsam gehen und auch noch als 90-Jährige glücklich miteinander sind. Das bedeutet, dass es unser Anspruch sein wird, immer im Gespräch miteinander zu bleiben.
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